Man sieht, hört und streamt sich

Allgemein
06.02.2019 0

Februar, kalt, und auch noch ein Montag, der unbeliebteste Tag der Woche. Und doch hört man fröhliches Gemurmel im Medienzentrum der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Grund dafür: die erste Socialbar Bonn im neuen Jahr 2019. Das Thema „Demokratie digital“ könnte in Zeiten von Hate Speech und Fake News nicht aktueller sein.

Wie man mit Hetze und Hass im Netz umgehen kann, beschrieb Jutta vom Hofe von der Deutschen Welle Akademie eindrücklich am Beispiel von Kenia. In dem ostafrikanischen Land werden die Sozialen Medien viel genutzt, auch in den ländlichen Regionen steigen die Nutzerzahlen. Doch es kommt immer wieder zu Unruhen, auch bedingt durch Meinungsmache und Aufstachelungen im Netz. Besonders im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2017 waren Fake News und Hetze im Netz ein ernsthaftes Problem. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, unterstützt die DW Akademie lokale Medienhäuser und bietet Trainings für den Umgang mit Hass und Hetze im Netz an. So wurden beispielsweise zwei Facebook Live Events zusammen mit kenianischen Journalistinnen und Journalisten durchgeführt, in denen über Möglichkeiten diskutiert wurde, wie sich Hate Speech eindämmen und Vorurteile abbauen lassen.

Die Digitalisierung verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Die Industrienation Deutschland ist in diesem Bereich immer noch eher Entwicklungsland. Davon zeugen fehlende 5G-Netze, mangelnder Breitband-Ausbau bis in die ländlichsten Regionen oder kaum kostenloses WLAN an öffentlichen Plätzen. Laut Sabria David vom Slow Media Institut sind andere europäische Länder in dieser Hinsicht bereits wesentlich weiter als Deutschland. Zusammen mit dem Gustav-Stresemann-Institut, der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und mit der Europäischen Kommission als Partner etablieren Sabria David und Michael Münz derzeit das Kolloquium „European Societies in the digital Age“. Das Kolloquium soll die Infrastruktur bereitstellen, um von und mit anderen Ländern zu lernen und sich über Ländergrenzen hinweg über die Herausforderungen der Digitalisierung auszutauschen. Dazu sollen Satelliten-Veranstaltungen in den EU-Mitgliedsstaaten stattfinden, transnationale Videokonferenzen zum Wissens- und Erfahrungsaustausch dienen und ein jährlicher europäischer Kongress mit internationalen Expertinnen und Experten organisiert werden, um ein starkes europäisches Netzwerk aufzubauen.

Um Veranstaltungen, Kongresse oder Kolloquien digital zu verlängern, bietet sich die Möglichkeit des Streamens an. Unter dem Motto „Tu Analoges und streame es“ berichteten Daniel Kraft von der Bundeszentrale für politische Bildung und Gunnar Sohn, Blogger, Medienberater und Wirtschaftspublizist, über verschiedene Streaming-Formate, die die bpb ausprobiert und umgesetzt hat. So konnten mit einer 12-stündigen Streaming-Konferenz zum Thema „Netzpolitik und Demokratie“, einem Konferenzmarathon und einem Stream vom Geschichtsfestival „War of Peace“ in Berlin mehr Interessierte erreicht werden, als es physisch vor Ort je möglich gewesen wäre. Mit nur kleinem finanziellen Aufwand können Netzwerkeffekte entstehen und neue Zielgruppen erschlossen werden, so Kraft. Denn man sieht, hört und streamt sich.

Alle Vorträge wurden live gestreamt – die Videos hat Gunnar Sohn auf seinem Blog eingestellt.

 

Nächster Socialbar-Bonn-Termin ist Montag, 1. April.

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