Engagement digital und analog

Socialbar Bonn
03.04.2019 0

Was digitales Ehrenamt ist, wie es funktioniert und wie analoges Engagement digital unterstützt werden kann, das alles erfuhren die Teilnehmenden am Montag, 1. April 2019, bei der 45. Socialbar in Bonn. Diesmal konnten sich alle Gäste auf vier Präsentationen zum Thema Digitales Ehrenamt und digitales Marketing für Nichtregierungsorganisationen freuen.
Zum bereits zweiten Mal – zuletzt vor fünf Jahren – ging es für die Socialbar in den Post-Tower, wo Jill Meiburg, Senior Vice President Communications and Responsibility Strategy & Channel Management von Deutsche Post DHL Group, die rund 30 Interessierten begrüßte. Sie schlug den Bogen von der Deutschen Post DHL Group zur Socialbar und erzählte von den Konzernprogrammen „Go Help“ und „Go Teach“, bei denen das Unternehmen unter anderem mit den SOS Kinderdörfern sowie den Vereinten Nationen zusammenarbeitet.

 

 

 

„You are part of decision making“, so stellte Marc Liberati vom Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen in der ersten Präsentation sein Konzept vor. Anhand mehrerer Beispiele erklärte er, wie die Vereinten Nationen durch so genanntes Online Volunteering an der Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) arbeiten. „The UN cannot be everywhere“, beschrieb Liberati die Herausforderung, wie freiwillige Mitarbeit dennoch evaluiert und gewertschätzt werden kann. Im Verlauf seines Vortrags stellte Liberati mehrere Instrumente vor, mit denen beides für die jeweils 16.000 Freiwilligen jährlich gewährleistet werden solle. Je mehr man sich engagiere, desto mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung bei gezielten Entscheidungen zur Umsetzung der SDG solle es geben, so seine Idee.

 

 

Um mehr Anerkennung und Sichtbarkeit für ehrenamtliches Engagement geht es auch Sebastian Sauer und Oliver Weyer. Mit ihrer App VOLTASTICS wollen sie Ehrenamtler, Organisationen und Unternehmen zusammenbringen und vernetzen. Hintergrund ihres Startups: Oliver Weyer und Sebastian Sauer war aufgefallen, dass es in den vergangenen 20 Jahren einen Rückgang beim ehrenamtlichen Engagement gab. Die beiden führten das unter anderem auch auf veränderte Anforderungen junger Menschen zurück, die sich nicht mehr so lange einer Sache verpflichten wollten. Mit ihrer App würden sie dieser Zielgruppe einen zeitgemäßen Zugang zu ehrenamtlichem Engagement bieten, gleichzeitig könnten Organisationen so neue Mitstreiter gewinnen und Unternehmen im Rahmen ihrer Corporate Social Responsability gezielt auf Ehrenamtler zugehen.

 

 

Dass Vereine sich zum Teil schwer tun, sich auf die Anforderungen junger Menschen beim Ehrenamt und auch auf die Digitalisierung einzustellen, wurde in der Diskussion nach Sascha Maynerts Vortrag deutlich. Sascha Maynert von Maynert Online-Marketing hatte zuvor unter dem Motto „Mehr Sichtbarkeit für Non-Profits durch digitales Marketing“ Google Ads Grants vorgestellt, ein Programm, mit dem die Suchmaschine Nichtregierungsorganisationen bei Werbeanzeigen unterstützt. Der Marketing-Experte hatte dabei auch auf die Chancen hingewiesen, die dieses Online-Marketing-Tool gerade bei der Ansprache junger Menschen biete – auch wenn Google strenge Kriterien für das Programm anlege und der Aufwand für die Pflege nicht zu unterschätzen sei. Gerade hier äußerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Socialbar mit Blick auf zum Teil „uralte Vorstände“ und den nötigen Personalaufwand für Online-Marketing ihre Bedenken, inwiefern gerade kleine Vereine von einem Programm wie Google Ads Grants profitieren könnten. Maynert bot zum Abschluss seines Vortrags an, auszuhelfen: „Ich habe gerade richtig Bock, etwas zu bewegen!“

Eine weitere Form des digitalen Ehrenamtes stellte Annette Mock, Projektverantwortliche im Bereich Corporate Responsibility bei Deutsche Post DHL Group, vor. Sie berichtete von einem Mentoring-Programm, welches die Bildungs- und Berufschancen junger Menschen, die wegen Armut, Verlust ihrer Angehörigen oder Flucht in sozial benachteiligten Verhältnissen leben, verbessern soll und gemeinsam mit dem Robert-Wetzlar-Berufskolleg in Bonn ins Leben gerufen wurde. Hier werden rund 60 Mentoren, Freiwillige aus dem Konzern, mit Mentees, Schülerinnen und Schülern des Kollegs, zusammengebracht. Gematched werden sie über berufliche Interessen und Ziele. Die Mentees, Geflüchtete, die vor allem ihr Deutsch verbessern wollen, werden bei Bewerbungen, Lebenslauf und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche von einem Mentor unterstützt. Dies passiert analog, wird aber von einem Online-Mentoring-Programm von Volunteer Vision unterstützt. In einem Chat-Room kommen Mentor und Mentee für meist eine Stunde pro Woche zusammen und tauschen sich über berufliche Themen, aber auch über private Probleme aus. Ein weiteres Beispiel dafür, wie analoges und digitales Engagement Hand in Hand gehen können.
Die nächste Socialbar Bonn findet am 3. Juni 2019 statt.

Text: Karina Heinz/Michael Münz

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