Gegen Hass im Netz

Allgemein
06.09.2019 0

In Zeiten von Hate Speech und Fake News hätte das Thema der 47. Socialbar Bonn aktueller nicht sein können: „Gegen Hass im Netz“ lautete der Titel der Rekord-Socialbar, die am 2. September 2019 im Forum Internationale Wissenschaft in Bonn stattfand und bei der es – statt wie sonst bei der Socialbar Bonn üblich drei –gleich fünf Vorträge zu hören gab.

Den Anfang machte Kirstin Wessely, Referentin im Bundesamt für Justiz, mit einem Kurzvortrag über die Erfahrungen, die das Bundesamt mit dem Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz – NetzDG) sammelte. Das Gesetz verpflichtet soziale Netzwerke ab einer bestimmten Größe zum Beispiel dazu, regelmäßig einen Bericht über den Umgang mit Beschwerden über rechtswidrige Inhalte zu erstellen und ein wirksames Beschwerdemanagement vorzuweisen. Als rechtswidrig gelten 22 Straftatbestände wie etwa Beleidigung, Volksverhetzung oder die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Sheila Mysorekar, Vorsitzende der Neuen deutschen Medienmacher, stellte anschließend das Projekt „No Hate Speech“ vor. Ziel des von der Europäischen Union geförderten Projektes ist es, konkrete Hilfe gegen Hassrede im Netz anzubieten – nicht nur Medienschaffenden, sondern allen, die Hass und Hetze nicht tolerieren wollen. So findet man auf der Seite etwa Zehn Goldene Regeln zum Umgang mit Hass im Netz, aber auch Informationen darüber, wie Anzeige gegen Hassrede erstattet werden kann.

Als drittes berichtete Meike Koch von der Mediengruppe RTL Deutschland GmbH über die Initiative „Verfolgen statt nur Löschen“. Diese wurde im Jahr 2017 mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine Rechtsdurchsetzung im Internet zu erleichtern und ein Zeichen gegen Rechts- und Rücksichtslosigkeit im Netz zu setzen – und zwar indem illegale Hass-Kommentare nicht einfach nur gelöscht, sondern zur Anzeige gebracht werden. Der Initiative gehören Vertreterinnen und Vertreter von Medienaufsicht, Strafverfolgungsbehörden und Medienhäusern an.

Marei Schmoliner stellte danach „LOVE-Storm – Gemeinsam gegen Hass im Netz“ vor. Die Online-Plattform möchte dem Hass im Netz mit digitaler Zivilcourage begegnen. Dazu bietet LOVE-Storm beispielsweise Online-Trainings an, in welchen Gegenrede erlernt werden kann. Außerdem gibt es ein Melde- und Alarmsystem, das Angegriffenen und Beobachtenden die Möglichkeit bietet, Hassrede zu melden und Unterstützung anzufordern. Marei Schmoliner betonte in ihrem Vortrag immer wieder das übergeordnete Ziel von LOVE-Storm, nämlich den Angegriffenen Mut zu machen und sie solidarisch zu unterstützen.

Den Abschlussvortrag hielt Michael Stang von „Lie Detectors – Kritisches Denken“, einer Initiative, die Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 15 Jahren Medienkompetenzen vermittelt. Kinder und Jugendliche sollen lernen, seriöse Nachrichten von Fake News zu unterscheiden und für die Risiken der digitalen Medien sensibilisiert werden. Dazu besuchen Journalistinnen und Journalisten Schulen und führen in den Klassen Workshops zu diesem Thema durch.
Die nächste Socialbar findet am 4. November statt.

Alle Fotos: Bernadette Yehdou

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