Cyber-Security als gesellschaftliche Herausforderung

Socialbar Bonn
04.02.2020 0

Cyber-Security geht alle an – aber in der Zivilgesellschaft ist das Thema noch nicht angekommen. Das machten die Vortragenden der 48. Socialbar am Montag, 3. Februar, an unterschiedlichen Beispielen deutlich. Im Digital Hub an der Rheinwerkallee diskutierten sie mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie sich das ändern ließe. Dabei entstand, typisch für die Socialbar, ein neues Netzwerk von Gleichgesinnten, das sich Bonn-weit des Themas konzentriert annehmen will.

Datensicherheit ist ein Thema auf vielen Ebenen: vom unsicheren Handy, das Hackern Tür und Tor öffnet, über Institutionen, die sich nur unzureichend vor „Einbrüchen“ schützen, bis auf nationale Ebene, wenn es Angreifer auf die Infrastruktur eines Landes abgesehen haben. Die Empfehlungen der Referentinnen und Referenten der 48. Socialbar zeigten anschaulich, wie sich einzelne aber auch Staaten dagegen schützen können. Allein: Die Zivilgesellschaft scheint für das Thema noch nicht ausreichend sensibilisiert.

Christian Schmickler etwa zeigte die zahlreichen Initiativen des Cyber Security Clusters in Bonn auf, die von kleinen Arbeitsgruppen über einen „Cyber Weisenrat“ bis hin zum Cyber Security Tech Summit Europe reichen, einem internationalen Kongress am 11. März im WCCB. Gleichzeitig stellte Schmickler fest, dass noch viel an Überzeugungsarbeit nötig sei, damit eine Immunisierung der Gesellschaft gegen Cyberattacken erreicht werden könne. „WhatsApp zu nutzen ist einfach eine blöde Idee“, sagte Schmickler mit Blick auf die Sicherheit der dort versendeten Daten. „Trotzdem nutzen es alle. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung zu erklären, warum dies für die Demokratie nicht gut ist.“

Eine Heraus-forderung vor dem auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik steht. Karin Wilhelm und Hanna Heuer verwiesen auf die zahlreichen Angebote, die das BSI für Bürgerinnen und Bürger bereitstelle – diese würden in der Regel aber erst abgerufen, wenn schon etwas passiert wäre. „Wer sich nicht informiert und sich nicht schützt, wird Opfer“, zeigten sich die beiden überzeugt. Sie räumten in ihren Thesen aber gleichzeitig ein, dass Cybersicherheit viele Nutzerinnen und Nutzer überfordere. Mit dem Angebot „BSI für Bürger“ und zahlreichen weiteren Materialien versuche das BSI, das Risikobewusstsein zu erhöhen, die Beurteilungsfähigkeit zu stärken und Lösungskompetenzen zu steigern. Aber auch Handreichungen für die Polizei würden erarbeitet, damit diese Anzeigen von Betroffenen kompetent aufnehmen könne – das sei, wie ein von einem Teilnehmer geschilderter Vorfall zeigte, nicht immer der Fall.

Oberst i.G. Michael Mensching verwies in seinem Vortrag nicht nur auf Aufgaben und Fähigkeiten des mittlerweile mit 15.000 Soldaten ausgestatteten Kommando Cyber- und Informationsraum bei der Bundeswehr, sondern zeigte auch eine weitere Facette von Cyber-Security auf: „Gezielte Desinformation abzuwehren gehört auch zu unseren Aufgaben.“ So hätten Unbekannte eine Desinformationskampagne gegen die Bundeswehr in Litauen gestartet. Sie streuten das Gerücht, Bundeswehr-Soldaten hätten in Litauen eine Minderjährige vergewaltigt. Auch in solchen Fällen werde seine Einheit aktiv, so Mensching. Er machte auch deutlich, dass es im Spannungsfeld von Territorialität und Virtualität einer Grundsatzdebatte bedürfe, um die rechtlichen Grundlagen des Kommando Cyber- und Informationsraum zu diskutieren.

Die Referentinnen und Referenten hatten neben ihrem Engagement im Thema Cyber-Security noch eine weitere Gemeinsamkeit: Ihre Institutionen – wie auch viele andere – suchen händeringend nach IT-Spezialistinnen und Spezialisten, um ihre Einrichtungen, aber auch die Zivilgesellschaft vor Cyberbedrohungen zu schützen.

Neben den drei Vorträgen gab es für die Teilnehmer-innen und Teilnehmer noch Informationen zum Digital Hub Bonn, dessen Arbeit Simon Hecht, Social Media & Community Manager, kurz vorstellte. Er hob unter anderem das Accelerator Programm für Start-ups hervor, das am 1. April 2020 startet, und nannte zahlreiche weitere Projekte des Hubs – vom Co-Working-Space bis hin zum jährlichen Summer Slam, der in 2020 für den 4. Juni angesetzt ist.

Moderatorin Ute Lange nutzte die erste Socialbar Bonn im zehnten Jahr ihres Bestehens auch, um ein Projekt des Socialbar-Teams vorzustellen: Gemeinsam mit Unity Effect arbeitet das Team an einer Visualisierung des Socialbar-Netzwerks in Bonn. „Wir haben die Stadt mit unseren nun bald 50 Veranstaltungen stark geprägt“, sagte Lange. „Bei der 50. Socialbar Bonn am 8. Juni wollen wir aufzeigen, welche Themen wir gesetzt haben, wo wir Menschen zusammengebracht haben und welche Initiativen daraus entstanden sind.“ Alle Referentinnen und Referenten sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien herzlich eingeladen, an dieser Visualisierung mitzuwirken. „Wir verschicken dazu demnächst einen Fragebogen und bitten Euch, diesen auszufüllen. Damit wir zeigen können, wie lebendig die digitale Szene in Bonn ist.“

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