Ich bin doch (k)eine Maschine

Socialbar Bonn
04.11.2020 0

Montagabend, halb 7: statt Herbstdepression und Lockdown light lieber Socialbar Bonn und Austausch mit spannenden Menschen – natürlich digital. Dieses Mal zum Thema Künstliche Intelligenz. Apropos Künstliche Intelligenz (KI): Neueste Schlagzeilen besagen, dass KI Covid-19 Infizierte am Husten erkennen kann. Ist das nun gut oder schlecht? Kann es überhaupt eine gute KI geben? Oder ist das vielleicht auch ein wenig beängstigend? Diese Fragen stellten sich die rund 30 Teilnehmenden der 52. Socialbar Bonn. Erste Antworten und Denkanstöße gaben drei spannenden Vorträge und Vortragende aus dem thematisch vielfältigen und umfangreichen Feld der Künstlichen Intelligenz.

Den Anfang machte Kommunikationsberaterin Christine Dingler mit einem Statuscheck.

  1. KI hat in Deutschland ein absolutes Imageproblem
  2. Vorbehalte über KI werden auch in den Medien reproduziert
  3. KI ist keine Zukunftsmusik, sondern schon im hier und jetzt relevant

Aber was ist KI denn überhaupt? Künstliche Intelligenz ist ein Oberbegriff, der mehrere Technologien umfasst, darunter Machine Learning (Wissen wird aus Erfahrung generiert, z.B. Nutzerverhalten bei Netflix) und Deep Learning (Nutzung neuronaler Netze, um große Datensätze zu analysieren, z.B. Spracherkennung bei Siri).
Christine Dingler betonte zum Abschluss, dass die ethische Komponente von KI nicht aus den Augen verloren gehen darf und bot so eine thematische Überleitung zu Prof. Dr. Jörg Kopecz, Geschäftsführer Institut für Transformationsmanagement mit seinem Vortrag „Kann es eine gute KI geben?“.

Kopecz betonte, dass KI ein Spiegel der Gesellschaft sei. Das heißt, die KI an sich ist nicht diskriminierend und rassistisch. Sie spuckt nur Daten aus, die Menschen mit ihren Werten, Einstellungen und auch Vorurteilen zur Verfügung stellen. Der Vorschlag: Ein gemeinsames Regelwerk, dem sich Länder verschreiben, um ethische Richtlinien für den Ausbau und Nutzen von KI aufzubauen. Die Teilnehmenden waren sich einig: Eine derartige neue Leitlinie zu definieren werde sich schwierig gestalten. Wären die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN eine mögliche Leitlinie?

Dass KI nicht nur bei Autos oder Maschinen einsetzbar ist, zeigte Sonja Griegoschewski, Direktorin vom Goethe-Institut Australien, in ihrem Vortrag „Kulturtechniken 4.0 – Creating in the Age of AI“. Mitten in der australischen Nacht stellte sie den Teilnehmenden in Deutschland das gleichnamige Projekt des Goethe-Instituts vor und betonte, dass KI nicht nur den großen Tech-Firmen überlassen werden darf, sondern auch Kunstschaffenden, Kreative, Philosophen usw. in das Thema eingebunden werden müssen. Das Projekt geht der Frage nach, wie kreative menschliche Fähigkeiten wie Schreiben, Komponieren oder Malen durch KI derzeit ergänzt, verändert oder beeinträchtigt werden und wie sich dies in den kommenden Jahren ändern könnte.

Fest steht: Künstliche Intelligenz betrifft uns alle. Doch kann sie auch eine Socialbar Bonn organisieren? Die einstimmige Meinung der Teilnehmenden dazu: #Humanfirst not #KIfirst.

Text: Franziska Wekenborg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archiv